Teil II: Künstlerische Arbeiten zur Farbenlehre

Teil II: Künstlerische Arbeiten zur Farbenlehre

„Ich denke, Wissenschaft könnte man die Kenntnis des Allgemeinen nennen, das abgezogene Wissen; Kunst dagegen wäre Wissenschaft zur Tat verwendet;…“ Goethe 1810

Bei allen dargebotenen künstlerischen Darstellungen bildet die Farbe ein Zentrum, auf vielfältige den Intentionen einzelner der sechs Künstler entsprechenden Art und Weise. Eingeleitet wird der künstlerische Teil durch die Studien des Farbkreises der inzwischen verstorbenen Maler Julius Hebing und Walter Roggenkamp. Diese überzeugen durch reine Klarheit und Schönheit der Farbordnungen. In ihrer variationsreichen Gestaltung öffnen sie dem Betrachtenden prozesshaft die Tore für aktions- wie auch ergebnisoffene Farbbegegnungen.

Die weiteren vier KünstlerInnen: Eckhard Bendin, Jasminka Bogdanovic, Nora Löbe und Johannes Onneken, die sich mittlerweile jahrelang mit Goethes Farbenlehre auseinandergesetzt haben und sich bis heute von ihr zutiefst inspiriert fühlen, stellen Werke zum Thema nicht einfach aus – sondern zur Diskussion.

Vor den Werken sollen schlichte, klare, zum ruhigen Erleben einladende Farb-Räume entstehen. Die gezeigten Werke verbindet auch hier ein gemeinsamer Ausgangspunkt des Schaffens: der Farbkreis als Farbordnung, Licht und Dunkelheit als ihre Voraussetzungen.
Jasminka Bogdanovic bewegt das Verhältnis des Goetheschen zum Kosmischen Farbkreis nach Rudolf Steiner: Die Installation, von innen wie von außen begehbar, gestaltet Durchgangstore in die Dimensionalitäten von Farbe, Raum und reflektiertem Erleben.

In den Bildern von Nora Löbe liest man vielfältige Möglichkeiten der Farbbeziehungen in der Art, wie Goethe sie charakterisierte: in harmonischen, charakteristischen und charakterlosen Farbkontrasten. Die Malerin geht spielerisch vor, wodurch die Gemälde frisch und unmittelbar ansprechend wirken.

Johannes Onneken schafft stille Räume der Versenkung und wirft die Frage nach der Beziehung der Farbe – in diesem Fall, als Lichtträger – zur Dunkelheit als Farbvoraussetzung auf.

Eckhard Bendin rechnet in seinen Farbreliefs mit der Beleuchtung des Raumes sowie mit den Bewegungsmöglichkeiten des Betrachtenden, dessen Aktion die Sichtbarkeit des Farbigen an den Arbeiten direkt beeinflusst.